Heißes Terrain

Einschienenbahn von Demag transportiert Flüssigeisen

Als die M. Busch GmbH & Co. KG, Bestwig, in ihre Gießerei investieren wollte, um deren Leistung zu steigern, kam auch das Transportsystem für Flüssigeisen auf den Prüfstand. Da die Kapazität der bisher genutzten Einschienenbahn nicht dem geplanten Produktionsvolumen der neuen Gießerei entsprach, beauftragte Busch Demag Cranes & Components mit der Modernisierung des Systems. Demag nahm diese heiße Herausforderung an und erfüllte ein ganzes Bündel an Forderungen, damit die Gießerei immer rechtzeitig mit ausreichend Material versorgt wird. Andernfalls hätte eine wichtige Voraussetzung für die Leistungssteigerung gefehlt.

Hinsichtlich der Modernisierung der Einschienenbahn waren in erster Linie wesentlich schnellere Abläufe gefragt. Weil der Hersteller von Bremsscheiben, Bremstrommeln, Schwungrädern und Komponenten für Lkw-Achsen ein Zeitfenster von 186 Sekunden für ein komplettes Arbeitsspiel vorgab, lag der Planungsschwerpunkt auf der Ermittlung der Spielzeiten. Mit Hilfe von Software kristallisierte sich heraus, dass nur beim Hub und auf der 70 Meter langen Fahrstrecke, die an beiden Seiten durch Ausbaustücke ergänzt wird, Zeitreserven existierten. Daher wurde der Austausch des Bahnprofils unabdingbar, denn dessen Walztoleranzen waren zu groß, um die Katzen in der verlangten Geschwindigkeit einwandfrei führen zu können. Die Wahl fiel auf ein für Einschienenkatzen konzipiertes Spezialprofil. Zusätzlich erfüllte Demag die Forderung, einen Bereich der Bahn in einer leichten Kurve verlaufen zu lassen, ohne dabei die Fahrt der Katzen zu behindern.

Neben dem Bahnprofil tauschte Demag die Katzen aus. Zwar wurde deren Grundkonzeption beibehalten, beispielsweise im Hinblick auf Resistenz gegenüber Staub und Hitze, sie mussten aber ebenfalls für die deutlich höheren Geschwindigkeiten ausgelegt werden. Heute fahren in der Anlage zwei Unterflanschkatzen, die mit Drehgestellen und Hubwerken DH 2000 ausgestattet sind. Sie werden an sechs Tagen pro Woche in drei Schichten eingesetzt. Die Haupthubgeschwindigkeit beträgt bis zu 20 Meter in der Minute. Beim Fahren erreichen die Katzen sogar 120 Meter pro Minute. In ihren speziellen mechanischen Greifern können die gemäß FEM 5m eingestuften Katzen mit Flüssigeisen gefüllte Transportpfannen im Gewicht von 6,3 Tonnen tragen.

Zum Lieferumfang von Demag gehörten auch eine Verschiebebrücke, die komplette Schleifleitung sowie die Anschlussverriegelungen, über die die Katze vom feststehenden auf einen verfahrbaren Bahnteil wechselt. Außerdem installierte Demag Steuertaster, mit denen Mitarbeiter am Anfang und Ende der Strecke einen sicheren Übergang zwischen dem Automatikbetrieb und den manuellen, etwa 30 Zentimeter langen Bereichen der Bahn schaffen.

Der logistische Ablauf beginnt, indem ein Stapler eine Transportpfanne mit rund drei Tonnen Flüssigeisen von einem Warmhalteofen zu einer Hubstation bringt. Die hebt die Pfanne etwas an, damit der Werker sie um 180 Grad drehen kann. Danach startet der automatische Betrieb mit einem Hub von etwa zwölf Metern und der Übergabe der Pfanne an die Einschienenbahn von Demag. Die fährt zur Gießmaschine auf der gegenüberliegenden Hallenseite, senkt die Pfanne etwa fünf Meter ab und hängt sie in die Maschine. Da die Übergabe der Pfanne nicht direkt von oben möglich ist, benötigt Busch die Verschiebebrücke. Die Kontrolle des gesamten Transportsystems erfolgt aus dem zentralen Leitstand heraus. Von dort kann man sämtliche Parameter einstellen und Störungen visualisieren.

Busch wählte Demag als Modernisierungspartner, weil das Unternehmen sehr konkret auf alle Wünsche des Betreibers einging. Überdies hinterließ Demag während der Verhandlungen den professionellsten Eindruck. Weitere Kriterien waren die geografische Nähe zu Demag, die gute Reputation dieses Herstellers und die positiven Erfahrungen, die Busch schon mit dessen Kranen und Komponenten gemacht hat. Zu Beginn der Planung dachte Busch auch darüber nach, den horizontalen Transport des Flüssigeisens ausschließlich mit Staplern durchzuführen und den Einsatz des Krans auf das vertikale Handling zu beschränken. Daraus wäre aber ein großer Platzbedarf für den langen Fahrweg der Stapler entstanden. Abgesehen davon hätte die Drehung der Pfanne um 180 Grad, die vor dem Einhängen in die Gießmaschine unerlässlich ist, eine Installation komplexer und störanfälliger Mechaniken nach sich gezogen.

Mit der Einschienenbahn hat sich Demag auch eine Referenzanlage geschaffen. Nachdem alle Termine eingehalten wurden, erbrachte die Anlage sofort die vereinbarte Leistung. Und das, obwohl nur ein Zeitrahmen von drei Wochen zur Verfügung stand und Demag sich den Hallenkran mit dem Unternehmen teilen musste, das die Formmaschine umbaute. Nach drei Jahren Betrieb lässt sich nachweisen, dass Demag sogar unter den Vorgaben geblieben ist. Eine Grundlage dafür ist eine garantierte Verfügbarkeit von 97 Prozent an sechs Tagen pro Woche. Ferner wurde vereinbart, dass die Spielzeit von 186 Sekunden maximal um zwei Prozent überschritten werden und die Laufschiene in 24 Monaten höchstens zwei Millimeter Verschleiß aufweisen darf. Zudem müssen die Laufrollen eine Standzeit von zwölf Monaten erreichen.




 
DEMAG Cranes & Components