

| Den Fehlerteufel im Visier |
Tritt bei einer Förderanlage, die in wichtige Prozess- und Produktionsabläufe eingebunden ist, eine Störung auf, muss diese schnell behoben werden. Andernfalls wären in vielen Bereichen der Fertigungskette erhebliche wirtschaftliche Schäden zu erwarten. Die vor diesem Hintergrund eingeleiteten Sofortmaßnahmen beseitigen aber häufig nicht die Ursachen, sondern tragen eher zu einer Vergrößerung des Schadens bei.
Problematisch ist in diesem Zusammenhang, dass sich Fehler im Fahrverhalten von Kranen oder anderen Förderanlagen oft nicht sofort genau lokalisieren lassen. Beispielsweise tauscht man bei Radbrüchen die Laufräder aus, ohne vorher den Grund für deren Beschädigung zu ermitteln. Ein anderes Beispiel ist ein extremer Spurkranzverschleiß, bei dem der Kundendienstmitarbeiter eine Spurkranzschmierung installiert oder zusätzliche Spurführungsrollen einbaut, was die schädigenden Kräfte auf andere Konstruktionselemente verlagert. Denn danach werden meist auch die Fahrbahnen so stark belastet, dass die Laufschienen verschleißen, die Schweißnähte reißen und der Anlagenzustand noch kritischer wird. Die Folge davon sind noch mehr Produktionsausfälle, steigende Instandsetzungskosten und unvorhersehbare Gefahren für Mensch und Maschine.
Dabei können all diese Mängel durch gezielte Präventivmaßnahmen mit vergleichbar geringem Aufwand schon vor ihrer Entstehung ausgeschlossen werden. Beispiele dafür sind regelmäßige Inspektionen, Vermessungen mit anschließender Fehleranalyse und Prüfungen gemäß Unfallverhütungsvorschriften.
Ein aktuelles Praxisbeispiel soll dies näher beleuchten. Das Fahrverhalten einer Wartungsbühne, die zu Inspektions- und Reparaturzwecken in rund 70 Meter Höhe an einem Wasserturm eingesetzt wird, hat sich im Laufe der Jahre stark verschlechtert. Der Betrieb der Arbeitsbühne ist nicht mehr sicher, da deren Antriebsteuerung durch Verecken und Zwängungen nur noch unzuverlässig funktioniert und schon mehrmals ganz ausfiel. Die zuständige Prüfstelle schränkte deshalb die Nutzung der Bühne ein.
Im Rahmen eines gemeinsamen Projektes präsentierten Demag Cranes & Components und Thyssen Krupp Fördertechnik dem Anlagenbetreiber ein Konzept zur vollständigen Überholung der Bühne. Zuerst untersuchte man die Verlegung der unteren und oberen Fahrbahn, die Durchmesser von 4,8 Meter beziehungsweise 20,6 Meter aufweisen. Diese anspruchsvolle Aufgabe der Präzisionsmessung übernahm das Vermessungsteam der Demag. Um die Lage und Höhe der beiden Bahnen exakt bestimmen zu können, fixierte das Team an der Unterseite des jeweiligen Trägerflansches 72 Reflexfolien in der Trägerachse. Die Positionierung der Folien erfolgte im Abstand von 10 Grad auf und zwischen den Aufhängungen.
Danach wurden drei Standorte für das Messgerät bestimmt, von denen sich alle Messpunkte auf beiden Fahrbahnen beobachten ließen. Um die erforderliche Genauigkeit zu erreichen musste der Einfallwinkel des Zielstrahls kleiner als 50 Gon sein. Das Team führte die Messungen mit einem Tachymeter Leica TC2003 durch und speicherte die Ergebnisse online. Über die dreidimensionalen Koordinaten wurden die Spurmittenmaße und Höhenunterschiede zwischen den einzelnen Fahrbahnpunkten ermittelt und in Form von Grafiken und Tabellen dargestellt. Es fanden zwei Messungen bei unterschiedlichen meteorologischen Bedingungen statt; zum einen bei etwa minus drei Grad Celsius und null Prozent Wolkenbedeckung, zum anderen bei plus 15 Grad Celsius und 100 Prozent Wolkenbedeckung. Die Messungen ergaben an bestimmten Stellen Abweichungen vom definierten Spurmittenmaß, die die konstruktiven Toleranzen der Wartungsbühne überschreiten und folglich das Fahrverhalten negativ beeinflussen. Mit diesen Erkenntnissen kann Thyssen Krupp Fördertechnik jetzt gezielte konstruktive Veränderungen an den Fahrwerken der Wartungsbühne vornehmen und somit das Problem langfristig beheben.
Dieses praktische Beispiel zeigt, dass eine konsequente Ursachenforschung, durchgeführt von erfahrenen Unternehmen, zu optimalen wirtschaftlichen Lösungen im Wartungsbereich beitragen kann.